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Fallstudie

Next gen web interf ace design

Wie wir durch datengetriebene UX-Forschung und iteratives Usability-Testing die Fehlerrate um 42 % senken und die Aufgabenerfüllungsrate signifikant steigern konnten.

Next gen web interf ace design
−42%
Fehlerrate nach Redesign
+33%
Aufgabenerfüllungsrate
−59%
Schulungsaufwand
4.4/5
UEQ-Score (Attraktivität)

Ausgangslage & Herausforderung

ThyssenKrupp setzt in mehreren Produktionsbereichen eine komplexe interne B2B-Softwarelösung für das Ressourcenmanagement ein. Mit über 2.400 täglichen Nutzern und mehr als 80 Funktionsbereichen hatte die Anwendung über Jahre eine hohe Fehlerrate und sinkende Nutzerzufriedenheit entwickelt.

Besonders kritisch: Neue Mitarbeitende benötigten im Durchschnitt 14 Arbeitstage Onboarding, um die Kernanwendung sicher zu beherrschen. Supportanfragen häuften sich. Die interne IT-Abteilung erkannte, dass das Problem kein technisches, sondern ein UX-Problem war.

„Wir wussten, dass unsere Nutzer täglich kämpfen — aber wir wussten nicht warum. UBCG hat uns gezeigt, wo genau die Brüche sind."

— Projektleiterin Digitale Transformation, ThyssenKrupp

Unser Ansatz: Track · Think · Make

UBCG setzte den vollständigen nutzerzentrierten Designprozess nach ISO 9241-210 ein — von der Kontextanalyse bis zum validierten Prototypen.

01

Track — Nutzer & Kontext verstehen

Contextual Inquiry mit 18 repräsentativen Nutzern aus 4 Standorten. Beobachtung realer Arbeitsabläufe, Identifikation von Breakpoints und kognitiver Überlastung. Qualitative Interviews und Hotjar-Analyse der bestehenden Oberfläche.

02

Think — Analysieren & priorisieren

Top-Task-Analyse: 6 kritische Kernaufgaben machen 78 % der täglichen Nutzung aus. Heuristische Evaluation nach Nielsen ergab 34 Usability-Probleme — davon 11 kritisch. Informationsarchitektur komplett neu strukturiert mit Card Sorting (n=42).

03

Make — Gestalten & iterieren

Low-Fidelity-Wireframes → 3 Iterationsrunden mit Usability-Tests → High-Fidelity-Prototyp. Design System mit 47 Komponenten für konsistente Weiterentwicklung. Vollständiger Entwickler-Handoff inklusive Accessibility-Spezifikation (WCAG 2.1 AA).

04

Test — Validieren mit echten Nutzern

Summatives Usability-Testing mit 24 Testpersonen vor und nach dem Redesign. Think-Aloud-Protokoll, Aufgabenerfüllungszeitmessung, UEQ-Fragebogen und Task-Completion-Rate als Hauptmetriken.

Kernergebnisse der Nutzerforschung

Die Kontextanalyse offenbarte drei systematische Designfehler, die zusammen für über 70 % der Fehler verantwortlich waren:

  • Mentales Modell-Konflikt: Die Navigationsstruktur folgte der internen Datenbanklogik, nicht den Aufgabenflüssen der Nutzer.
  • Fehlende Systemrückmeldung: Kritische Aktionen lieferten keine visuellen Bestätigungen — Nutzer wiederholten Schritte aus Unsicherheit.
  • Inkonsistente Interaktionsmuster: Ähnliche Funktionen verhielten sich unterschiedlich je nach Modul. Keine gemeinsame Komponentenbibliothek.
Before / After · UI-Vergleich · Hauptnavigation

Lösungsansatz & Design-Entscheidungen

Auf Basis der Forschungsergebnisse entwickelten wir eine aufgabenorientierte Navigationsstruktur, die die mentalen Modelle der Nutzenden widerspiegelt. Kernentscheidungen:

  • Reduktion der Hauptnavigationspunkte von 22 auf 7 — gruppiert nach Nutzerzielen, nicht Systemmodulen
  • Progressive Disclosure: Komplexe Funktionen erst bei Bedarf einblenden
  • Einheitliches Feedback-System mit klaren Status-Indikatoren bei allen kritischen Aktionen
  • Kontextsensitive Hilfe direkt im Interface statt separater Dokumentation
  • Design System mit 47 geteilten Komponenten für zukünftige Konsistenz
Wireframe → Prototyp → Finale UI · Iterationsübersicht

Messbare Ergebnisse

Nach 6 Monaten Laufzeit des neu gestalteten Systems wurden die Kernmetriken erneut erhoben:

−44%

Fehlerrate bei Kernaufgaben

+36%

Task-Completion-Rate

−60%

Onboarding-Dauer (14 → 6 Tage)

4.3/5

UEQ Attraktivitäts-Score

Besonders signifikant: Der interne Helpdesk-Aufwand für Softwarebezogene Anfragen sank um 31 % — ein direkt messbarer wirtschaftlicher Nutzen, der über die ursprüngliche UX-Optimierung hinausgeht.

Fazit & Learnings

Komplexe B2B-Software profitiert überproportional von nutzerzentriertem Design. Die Investition in systematische UX-Forschung amortisiert sich nicht nur durch höhere Nutzerzufriedenheit — sondern durch messbaren Produktivitätsgewinn, reduzierten Supportaufwand und niedrigere Schulungskosten.

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie ISO 9241-konformer Usability-Engineering-Prozess auch in komplexen Enterprise-Umgebungen greift — wenn Forschung, Design und Validierung konsequent ineinandergreifen.

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